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Auf Brico Privé verkaufen: Rechnungen und Mehrwertsteuer für deutsche Händler

Brico Privé hat sich in Frankreich als Online-Anbieter für Heimwerker-, Garten- und Haushaltsprodukte etabliert und verkauft überwiegend über zeitlich begrenzte Aktionsverkäufe. Für deutsche Händler und Marken ist das ein interessanter Zugang zum französischen Markt: Statt einen eigenen Shop für Frankreich aufzubauen, verkaufen Sie dort, wo französische Heimwerker ohnehin nach Angeboten suchen. Was die Plattform Ihnen nicht abnimmt, ist die Administration. Je nach Vertragsmodell stellen Sie Rechnungen an französische Endkunden oder an die Plattform selbst, und in beiden Fällen muss die Umsatzsteuer stimmen. Dieser Artikel erklärt, welche Rolle Sie als Verkäufer einnehmen, wann französische TVA gilt, wie das OSS-Verfahren funktioniert und wie Sie die Fakturierung neben bol.com, Amazon und dem eigenen Shop im Stapel erledigen.

15.8.2026 9 Min. Lesezeit Marketplace

Verkaufen Sie über Brico Privé an französische Kunden, bleiben Sie in der Regel selbst der Verkäufer und stellen die Rechnung aus. Oberhalb der EU-weiten Lieferschwelle von 10.000 EUR berechnen Sie französische TVA von 20 % und melden sie über das OSS-Verfahren, darunter gilt deutsche Umsatzsteuer. Prüfen Sie im Vertrag, ob Sie an Endkunden oder an die Plattform verkaufen, denn davon hängt die gesamte Abrechnung ab.

Deutsche Händler auf Brico Privé verkaufen in kurzen Aktionsfenstern nach Frankreich, müssen je nach Vertragsmodell Endkunden oder die Plattform fakturieren und dabei die EU-Lieferschwelle, die französische TVA und das OSS-Verfahren im Blick behalten. Klären Sie Ihre Verkäuferrolle im Vertrag, automatisieren Sie die Steuersatzbestimmung nach Land und Kundentyp und fakturieren Sie alle Kanäle aus einem System im Stapel, inklusive Gutschriften für Retouren.

Zusammenfassung

  • Klären Sie zuerst Ihre Rolle: Verkaufen Sie über Brico Privé an Endkunden oder liefern Sie als Großhändler an die Plattform selbst?
  • Bei B2C-Verkäufen nach Frankreich gilt unterhalb der EU-weiten Lieferschwelle von 10.000 EUR deutsche Umsatzsteuer, darüber französische TVA von 20 % über das OSS-Verfahren.
  • Die Deemed-Supplier-Regel greift bei EU-ansässigen Händlern nicht: Die Plattform schuldet die Steuer nicht für Sie, Sie berechnen die französische TVA selbst.
  • Liefern Sie an die Plattform als französisches Unternehmen mit gültiger TVA-Nummer, ist das eine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung.
  • Französische Kunden erwarten eine Facture auf Französisch, rechtlich gelten für Sie unter OSS die deutschen Rechnungsregeln.
  • Retouren aus Aktionsverkäufen bilden Sie über Gutschrift oder Stornorechnung mit Bezug zur Ursprungsrechnung ab.

Brico Privé: Flash-Sales für französische Heimwerker

Brico Privé ist ein französischer Online-Anbieter, der sich auf Heimwerkerbedarf, Garten, Werkzeug und Haushaltsprodukte spezialisiert hat. Das Geschäftsmodell unterscheidet sich von einem klassischen Marktplatz: Verkauft wird vor allem über Flash-Sales, also zeitlich begrenzte Aktionskampagnen, in denen ausgewählte Produkte für kurze Zeit angeboten werden.

Für deutsche Händler und Hersteller ist das ein attraktiver Kanal, um den französischen Markt zu testen. Frankreich ist ein großer Heimwerkermarkt, und das Kampagnenmodell eignet sich besonders für Restposten, Saisonware und Sortimente, die Sie in kurzer Zeit in Volumen bewegen wollen, ohne eine eigene französische Vertriebsstruktur aufzubauen.

Das Aktionsmodell hat allerdings Folgen für Ihre Administration. Bestellungen kommen nicht gleichmäßig über den Monat verteilt, sondern gebündelt nach dem Ende einer Kampagne. Ihre Fakturierung muss also mit Spitzen umgehen können: Wer nach einer erfolgreichen Aktion Hunderte Rechnungen von Hand schreibt, verliert genau die Marge, die der Kanal bringen sollte.

Bevor Sie über Steuersätze und Rechnungslayout nachdenken, steht aber eine grundlegendere Frage: In welcher Rolle verkaufen Sie überhaupt? Davon hängt ab, wer Ihre Rechnung bekommt und welche Umsatzsteuerregeln gelten.

Verkäufer oder Lieferant: Ihre Rolle entscheidet über die Abrechnung

Im Flash-Sale-Geschäft sind zwei Vertragsmodelle verbreitet. Im ersten Modell kauft die Plattform Ihre Ware selbst ein und verkauft sie im eigenen Namen weiter. Sie sind dann Lieferant und stellen Ihre Rechnung an die Plattform, nicht an den Endkunden. Im zweiten Modell verkaufen Sie als externer Händler direkt an den Endkunden, während die Plattform Reichweite und Kaufprozess bereitstellt. Dann sind Sie der Seller of Record und fakturieren den Verbraucher.

Liefern Sie an die Plattform als französisches Unternehmen mit gültiger TVA-Nummer, handelt es sich um eine innergemeinschaftliche Lieferung: Die Rechnung ist steuerfrei, trägt den entsprechenden Hinweis und die TVA-Nummer des Kunden. Prüfen Sie die Nummer vor der ersten Rechnung über das VIES-System und melden Sie die Lieferung in der Zusammenfassenden Meldung.

Verkaufen Sie dagegen direkt an französische Verbraucher, gelten die B2C-Regeln für Fernverkäufe innerhalb der EU: Sie stellen die Rechnung an den Endkunden, und welcher Steuersatz gilt, hängt von der EU-weiten Lieferschwelle ab. Wie das genau funktioniert, behandelt der Umsatzsteuerabschnitt weiter unten.

In der Praxis kommen auch Mischformen vor, etwa wenn ein Teil des Sortiments von der Plattform eingekauft wird und ein anderer Teil im Marktplatzmodell läuft. Trennen Sie die beiden Ströme in Ihrer Buchhaltung sauber, denn steuerfreie B2B-Lieferungen und B2C-Umsätze mit französischer TVA gehören in unterschiedliche Meldungen.

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Rechnungen für französische Kunden

Wenn Sie als deutscher Händler über das OSS-Verfahren abrechnen, gelten für Ihre Rechnungen die deutschen Rechnungsregeln, also die Vorschriften Ihres Ansässigkeitsstaats. Sie müssen sich nicht in das französische Rechnungsrecht einarbeiten, um korrekt zu fakturieren.

Trotzdem lohnt der Blick auf die Erwartungen Ihrer Kunden. In Frankreich ist die Facture ein fester Begriff, und französische Verbraucher und erst recht Geschäftskunden erwarten ein Rechnungsdokument auf Französisch. Das ist für Sie keine gesetzliche Pflicht, aber gelebte Praxis: Eine französischsprachige Rechnungsvorlage reduziert Rückfragen, wirkt professionell und hilft dem Kunden bei Garantie und Versicherung.

Inhaltlich gelten die bekannten Pflichtangaben: vollständiger Name und Anschrift von Händler und Kunde, Ihre Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, eine fortlaufende Rechnungsnummer, das Rechnungsdatum, Menge und Bezeichnung der Ware sowie Nettobetrag, Steuersatz, Steuerbetrag und Bruttobetrag. Rechnen Sie über OSS mit französischer TVA ab, weisen Sie den französischen Satz auf der Rechnung aus.

Achten Sie darauf, dass Ihre Rechnungsnummern über alle Kanäle hinweg eine fortlaufende Serie bilden. Wer für Brico Privé eine eigene Nummernlogik neben Amazon und dem eigenen Shop pflegt, produziert früher oder später Lücken oder Dubletten.

Umsatzsteuer: deutsche USt, französische TVA und das OSS-Verfahren

Für Verkäufe an französische Verbraucher gilt die EU-weite Lieferschwelle von 10.000 EUR. Sie umfasst alle grenzüberschreitenden B2C-Umsätze in andere EU-Länder zusammen, über alle Kanäle hinweg. Bleiben Sie darunter, berechnen Sie deutsche Umsatzsteuer von 19 %. Überschreiten Sie die Schwelle, gilt der Steuersatz des Bestimmungslandes, für Frankreich also die TVA mit dem Regelsatz von 20 %.

Damit Sie sich dafür nicht in Frankreich registrieren müssen, gibt es das OSS-Verfahren: Sie melden die französische TVA zusammen mit allen anderen grenzüberschreitenden B2C-Umsätzen in einer zentralen Meldung in Deutschland und führen die Steuer gesammelt ab.

Wichtig für die Einordnung: Die Deemed-Supplier-Regel, bei der ein Marktplatz für Umsatzsteuerzwecke selbst zum Lieferer wird, gilt nur für Händler, die außerhalb der EU ansässig sind. Als deutscher Händler auf einer EU-Plattform bleiben Sie selbst Steuerschuldner und berechnen die französische TVA in eigener Verantwortung. Verlassen Sie sich also nicht darauf, dass die Plattform das für Sie regelt.

Behalten Sie die Lieferschwelle kanalübergreifend im Blick. Wer neben Brico Privé auch über Amazon nach Frankreich oder über bol.com nach Belgien verkauft, erreicht die 10.000 EUR schneller als gedacht, denn alle diese Umsätze zählen zusammen.

Retouren und Gutschriften im Aktionsgeschäft

Flash-Sales bringen nicht nur Bestellspitzen, sondern auch Retourenspitzen. Französische Verbraucher haben beim Fernabsatz das EU-weite Widerrufsrecht, und nach einer großen Kampagne kommen Rücksendungen ähnlich gebündelt zurück wie die Bestellungen hereinkamen.

Jede Rücksendung korrigieren Sie über eine Stornorechnung oder Gutschrift, die auf die ursprüngliche Rechnung verweist und Betrag und Steuer gegenläufig ausweist. Französische Kunden kennen dieses Dokument als Avoir. Bei Teilretouren stornieren Sie nur die zurückgesendeten Positionen, nicht die gesamte Rechnung.

Entscheidend ist der Steuersatz: Die Korrektur muss denselben Satz tragen wie die Ursprungsrechnung. Haben Sie mit 20 % französischer TVA fakturiert, wird auch mit 20 % gutgeschrieben, und die Korrektur fließt in Ihre OSS-Meldung ein. Eine Gutschrift mit falschem Satz bringt die Meldung für das gesamte Quartal durcheinander.

Brico Privé neben bol.com, Amazon und dem eigenen Shop

Kaum ein Händler verkauft nur über einen Kanal. Typisch ist die Kombination aus eigenem Shop auf Shopify oder WooCommerce, Amazon für Reichweite, bol.com für die Niederlande und Belgien und Aktionskanälen wie Brico Privé für Frankreich. Jeder Kanal liefert Bestellungen im eigenen Format, mit eigenen Bestellnummern und in unterschiedliche Länder.

Zentral gehören deshalb vier Dinge in ein System: eine fortlaufende Rechnungsnummernserie über alle Kanäle, eine Steuerlogik nach Land und Kundentyp statt nach Kanal, der Umsatz je Land zur Überwachung der Lieferschwelle und ein einziger Export in die Buchhaltung, aufgeteilt nach Land und Steuersatz.

Winkel Factuur bindet bol.com, Amazon, Shopify und WooCommerce direkt an und verarbeitet Mirakl-basierte Marktplätze, mit Maxeda bereits im Produktivbetrieb. Bestellungen von Brico Privé verarbeiten Sie per Bestellimport im selben Stapelprozess: gleiche Nummernserie, gleiche Steuerlogik, gleicher Buchhaltungsexport.

Das Ergebnis: Auch wenn nach einer Kampagne Hunderte Bestellungen auf einmal hereinkommen, bleibt die Fakturierung ein einziger Stapellauf statt tagelanger Handarbeit.

Fazit

Brico Privé öffnet deutschen Händlern den französischen Heimwerkermarkt, ohne dass Sie dort eine eigene Struktur aufbauen müssen. Kommerziell ist das ein überschaubarer Schritt, administrativ nur dann, wenn Rolle und Steuerlogik von Anfang an geklärt sind.

Die Eckpunkte: Vertrag prüfen und die eigene Rolle klären, steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung bei Verkäufen an die Plattform, deutsche Umsatzsteuer unterhalb und französische TVA von 20 % über OSS oberhalb der Lieferschwelle, französischsprachige Rechnungen als Serviceerwartung und Gutschriften mit dem Satz der Ursprungsrechnung.

Wer die Fakturierung kanalunabhängig aufsetzt, für den ist die nächste Kampagne nur noch eine weitere Bestelldatei.

Häufig gestellte Fragen

Erstellt Brico Privé die Rechnungen für meine Verkäufe?

Nein. Je nach Vertragsmodell stellen Sie die Rechnung entweder an die Plattform, wenn diese Ihre Ware selbst einkauft, oder an den Endkunden, wenn Sie im Marktplatzmodell verkaufen. In beiden Fällen bleibt die Rechnungsstellung Ihre Aufgabe, und die Provisions- oder Serviceabrechnungen der Plattform gehören zu Ihren Eingangsrechnungen.

Welche Mehrwertsteuer gilt bei Verkäufen an französische Verbraucher?

Unterhalb der EU-weiten Lieferschwelle von 10.000 EUR für alle grenzüberschreitenden B2C-Umsätze zusammen berechnen Sie deutsche Umsatzsteuer von 19 %. Oberhalb der Schwelle gilt die französische TVA mit dem Regelsatz von 20 %, die Sie über das OSS-Verfahren zentral in Deutschland melden. Eine französische Registrierung ist dafür nicht nötig.

Muss meine Rechnung auf Französisch sein?

Rechtlich gelten für Sie unter dem OSS-Verfahren die deutschen Rechnungsregeln, eine französischsprachige Rechnung ist also keine Pflicht. Französische Kunden erwarten aber eine Facture auf Französisch, gerade bei Garantie- und Versicherungsfällen. Eine französische Rechnungsvorlage ist daher dringend zu empfehlen und reduziert Rückfragen deutlich.

Was gilt, wenn ich meine Ware an Brico Privé selbst verkaufe?

Kauft die Plattform Ihre Ware als französisches Unternehmen mit gültiger TVA-Nummer ein, ist das eine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung. Ihre Rechnung trägt den entsprechenden Hinweis und die TVA-Nummer des Kunden, die Sie vorab über das VIES-System prüfen. Die Lieferung melden Sie in der Zusammenfassenden Meldung.

Wie verarbeite ich Brico-Privé-Bestellungen zusammen mit anderen Kanälen?

Über einen zentralen Fakturierungsprozess: Winkel Factuur bindet bol.com, Amazon, Shopify und WooCommerce direkt an und verarbeitet Mirakl-basierte Marktplätze. Bestellungen von Brico Privé importieren Sie als Bestelldatei und fakturieren sie im selben Stapel, mit gemeinsamer Nummernserie, dem richtigen Steuersatz je Land und einem Export in die Buchhaltung.

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