Warum unter OSS der Satz des Bestimmungslandes gilt
Solange du nur in den Niederlanden verkaufst, ist die Sache einfach: Du berechnest 21 % (oder 9 % bei ermäßigten Produkten) und meldest das in deiner normalen BTW-Erklärung. Sobald dein kumulierter grenzüberschreitender B2C-Umsatz in andere EU-Länder jedoch 10.000 € netto pro Jahr übersteigt – zusammengerechnet über alle Kanäle wie eigenen Webshop, bol.com, Amazon und WooCommerce – ändert sich die Regel grundlegend.
Ab dieser Schwelle gilt das Bestimmungslandprinzip: Du berechnest nicht länger den niederländischen Mehrwertsteuersatz, sondern den Satz des Landes, in dem dein Kunde wohnt. Verkaufst du also an einen Verbraucher in Deutschland, gilt der deutsche Satz; an einen Kunden in Frankreich der französische.
Das ist genau der Grund, warum du diese Tabelle brauchst. Statt eines einzigen Satzes jonglierst du nun mit bis zu 27 Normalsätzen und ebenso vielen ermäßigten Sätzen. Den eingesammelten Betrag rechnest du nicht in jedem Land einzeln ab, sondern gebündelt über eine vierteljährliche OSS-Meldung beim niederländischen Belastingdienst.
Normalsatz vs. ermäßigter Satz – warum du beide kennen musst
Jedes EU-Land hat einen Normalsatz (Regelsteuersatz), der für die meisten Waren und Dienstleistungen gilt. Daneben dürfen die Länder einen oder mehrere ermäßigte Sätze für bestimmte Kategorien festlegen – typischerweise Bücher, Lebensmittel, Medikamente, Zeitungen oder bestimmte Kulturgüter.
Der Haken: Welche Produkte unter den ermäßigten Satz fallen und wie hoch dieser ist, entscheidet jedes Land selbst. Ein Buch ist in Deutschland mit 7 % belegt, in den Niederlanden mit 9 % und in Frankreich mit dem dortigen ermäßigten Satz. Ein und dasselbe Produkt kann also je nach Bestimmungsland einen völlig anderen Satz tragen.
Für die OSS-Meldung ist das entscheidend, weil du pro Bestimmungsland und pro Satz getrennt ausweisen musst. Verkaufst du z. B. nach Deutschland sowohl standardbesteuerte Elektronik als auch ermäßigt besteuerte Bücher, deklarierst du beides separat: einmal zum deutschen Normalsatz von 19 % und einmal zum deutschen ermäßigten Satz von 7 %.
Deshalb reicht es nicht, nur die Normalsätze zu kennen. Sobald du Produkte verkaufst, die irgendwo ermäßigt besteuert werden, musst du für jedes Bestimmungsland beide Sätze parat haben – und genau dafür ist die folgende Tabelle gedacht.
Die komplette EU-Mehrwertsteuertabelle 2026
Die folgende Tabelle listet alle 27 EU-Mitgliedstaaten mit ihrem Normalsatz und dem (wichtigsten) ermäßigten Satz für 2026. Hat ein Land mehrere ermäßigte Sätze, ist hier der gängigste angegeben – prüfe im Zweifel die offizielle Satzliste des jeweiligen Landes oder konsultiere einen BTW-Berater.
| Land | Normalsatz | Ermäßigter Satz |
|---|---|---|
| Niederlande (NL) | 21 % | 9 % |
| Belgien (BE) | 21 % | 6 % |
| Deutschland (DE) | 19 % | 7 % |
| Frankreich (FR) | 20 % | 10 % |
| Italien (IT) | 22 % | 10 % |
| Spanien (ES) | 21 % | 10 % |
| Österreich (AT) | 20 % | 10 % |
| Bulgarien (BG) | 20 % | 9 % |
| Kroatien (HR) | 25 % | 13 % |
| Zypern (CY) | 19 % | 9 % |
| Tschechien (CZ) | 21 % | 12 % |
| Dänemark (DK) | 25 % | — |
| Estland (EE) | 22 % | 9 % |
| Finnland (FI) | 25,5 % | 14 % |
| Griechenland (GR) | 24 % | 13 % |
| Ungarn (HU) | 27 % | 18 % |
| Irland (IE) | 23 % | 13,5 % |
| Lettland (LV) | 21 % | 12 % |
| Litauen (LT) | 21 % | 9 % |
| Luxemburg (LU) | 17 % | 14 % |
| Malta (MT) | 18 % | 7 % |
| Polen (PL) | 23 % | 8 % |
| Portugal (PT) | 23 % | 13 % |
| Rumänien (RO) | 21 % | 11 % |
| Slowakei (SK) | 23 % | 19 % |
| Slowenien (SI) | 22 % | 9,5 % |
| Schweden (SE) | 25 % | 12 % |
Auffällig: Dänemark ist das einzige EU-Land ohne ermäßigten Satz – dort gelten faktisch 25 % auf nahezu alles. Am unteren Ende liegt Luxemburg mit nur 17 % Normalsatz, am oberen Ungarn mit 27 %. Diese Spannbreite macht deutlich, wie stark sich deine Mehrwertsteuerlast je nach Zielmarkt unterscheiden kann.
OSS-Meldung ohne Satz-Rätselraten
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So bestimmst du den richtigen Satz pro Produkt
Die gute Nachricht: Für die allermeisten physischen Waren – Elektronik, Kleidung, Möbel, Spielzeug, Kosmetik, Werkzeug – gilt schlicht der Normalsatz des Bestimmungslandes. Damit ist der Großteil der typischen Webshop-Sortimente abgedeckt.
Genauer hinsehen musst du nur bei Produkten, die irgendwo ermäßigt besteuert werden. Klassische Kandidaten sind Bücher und E-Books, Lebensmittel, Medikamente, Zeitschriften, Pflanzen/Saatgut sowie bestimmte Kindes- und Hygieneartikel. Ob und wie stark ein solches Produkt ermäßigt ist, legt jedes Land in seiner eigenen Satzliste fest.
Die praktische Regel lautet also: Standardprodukt? Normalsatz des Bestimmungslandes. Buch, Lebensmittel oder Medikament? Prüfe die ermäßigte-Sätze-Liste des Ziellandes – derselbe Artikel kann in Deutschland 7 %, in den Niederlanden 9 % und in einem dritten Land wieder anders besteuert sein. Bist du unsicher, ob ein Produkt unter den ermäßigten Satz fällt, konsultiere einen BTW-Berater, statt zu raten.
Bestimmungsland-Sätze automatisch anwenden mit Winkel Factuur
Bei einem einzigen Zielmarkt lässt sich der richtige Satz noch von Hand pflegen. Sobald du aber in mehrere EU-Länder verkaufst und dazu noch ermäßigt besteuerte Produkte führst, wird die manuelle Verwaltung von Sätzen schnell zur Fehlerquelle – besonders, wenn der Umsatz über mehrere Kanäle wie Webshop, bol.com und Amazon verteilt ist.
Winkel Factuur wendet pro Bestellung automatisch den Mehrwertsteuersatz des Bestimmungslandes an, sobald deine grenzüberschreitenden B2C-Verkäufe die 10.000-Euro-Schwelle überschreiten. Du hinterlegst pro Produkt, ob es zum Normal- oder zum ermäßigten Satz gehört – die länderspezifische Höhe übernimmt das System.
Auf der Mehrwertsteuer-Berichtsseite findest du einen OSS-Bericht: Wähle Jahr und Quartal und du siehst eine Tabelle pro Bestimmungsland mit der Aufschlüsselung pro Mehrwertsteuersatz – netto und MwSt. je Satz je Land, aggregiert über alle Verkaufskanäle. Ein Live-Indikator zeigt dir, wo du gegenüber der 10.000-Euro-Schwelle (gemessen am Netto) stehst.
Die Zahlen kannst du als CSV oder JSON exportieren – fertig für deine OSS-Meldung. Daneben gibt es einen separaten ICP-Bericht für deine B2B-Verkäufe sowie eine Zusammenfassung deiner niederländischen BTW-Erklärung. Denk daran: Die zugrunde liegenden Transaktionsdaten musst du 10 Jahre lang aufbewahren – auch das verwaltet das System für dich.
Den richtigen Satz nie wieder von Hand nachschlagen
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