Bricomarché: Baumarktnetz der Mousquetaires mit offenem Marktplatz
Bricomarché ist die Baumarktmarke des Groupement Les Mousquetaires, eines der großen französischen Handelsverbünde, zu dem unter anderem auch die Supermarktkette Intermarché gehört. Die Märkte sind von selbstständigen Kaufleuten geführt und stehen häufig dort, wo die großen Baumarktketten fehlen: in kleineren Städten und ländlichen Regionen.
Mit der Öffnung des Onlineshops für externe Händler entsteht daraus ein Marktplatz, der die Reichweite einer etablierten Marke mit dem Sortiment unabhängiger Anbieter verbindet. Für deutsche Händler von Werkzeug, Gartenbedarf, Sanitär und Elektromaterial ist das ein direkter Zugang zu französischen Heimwerkern und Handwerksbetrieben, ohne eigenes Ladennetz und ohne eigene französische Gesellschaft.
An Ihrer rechtlichen Rolle ändert der Marktplatz nichts: Sie verkaufen im eigenen Namen an den Kunden und sind der Seller of Record. Die Plattform stellt Ihnen ihre Leistungen in Rechnung, und diese Abrechnungen gehören zu Ihren Eingangsrechnungen. Ihre Verkaufsrechnung an den Kunden erstellen Sie selbst, mit Ihren Unternehmensdaten und Ihrer Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.
Diese Trennung zwischen eigenen Verkaufsrechnungen und den Abrechnungen der Plattform ist die Grundlage für einen korrekten Umsatz und eine saubere Voranmeldung. Wer beides vermischt, meldet zu viel oder zu wenig Steuer.
Rechnungen für französische Kunden
Gegenüber Unternehmen ist die Rechnung Pflicht, und im Baumarktsegment ist das kein Randfall: Französische Handwerksbetriebe, Bauunternehmen und Gartenbaubetriebe kaufen regelmäßig online ein. Gegenüber Verbrauchern ist die Rechnung nicht in jedem Fall zwingend, aber dringend zu empfehlen. Die einfachste Regel ist, für jede Bestellung automatisch eine Rechnung zu erstellen.
Rechnen Sie über das OSS-Verfahren ab, gelten für Ihre Rechnungen die deutschen Rechnungsregeln, also die Vorschriften Ihres Ansässigkeitsstaats. Die Pflichtangaben kennen Sie: Name und Anschrift beider Parteien, Ihre Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, eine fortlaufende Rechnungsnummer, Rechnungsdatum, Menge und Bezeichnung der Ware sowie Netto, Steuersatz, Steuerbetrag und Brutto.
Daneben stehen die Erwartungen Ihrer Kunden: In Frankreich ist die Facture ein selbstverständlicher Teil des Kaufs, und Kunden erwarten sie auf Französisch. Für Sie ist das keine gesetzliche Pflicht, aber eine französischsprachige Rechnungsvorlage gehört zum professionellen Auftritt und erspart Ihrem Support viele Rückfragen zu Garantie und Gewährleistung.
Bei Rechnungen an Unternehmen mit gültiger französischer TVA-Nummer kommt der Hinweis auf die steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung hinzu, zusammen mit der TVA-Nummer des Kunden. Wie das steuerlich einzuordnen ist, zeigt der nächste Abschnitt.
Umsatzsteuer zwischen Deutschland und Frankreich
Bei Verkäufen an französische Verbraucher entscheidet die EU-weite Lieferschwelle von 10.000 EUR. Sie gilt für alle grenzüberschreitenden B2C-Umsätze in andere EU-Länder zusammen, kanalübergreifend. Unterhalb der Schwelle berechnen Sie deutsche Umsatzsteuer von 19 %, oberhalb den Satz des Bestimmungslandes, für Frankreich also die TVA mit dem Regelsatz von 20 %.
Die französische TVA melden Sie über das OSS-Verfahren zentral in Deutschland, eine umsatzsteuerliche Registrierung in Frankreich ist für diese Verkäufe nicht erforderlich. Wichtig ist die Abgrenzung zur Deemed-Supplier-Regel: Sie macht Marktplätze nur bei Händlern aus Drittländern zum fiktiven Lieferer. Als deutscher, also EU-ansässiger Händler berechnen und schulden Sie die französische TVA selbst.
Verkaufen Sie an französische Unternehmen mit gültiger TVA-Nummer, liegt eine innergemeinschaftliche Lieferung vor: Die Rechnung ist steuerfrei, der Kunde versteuert den Erwerb in Frankreich. Prüfen Sie die Nummer über das VIES-System und melden Sie die Lieferung in der Zusammenfassenden Meldung. Gerade bei Bricomarché mit seinem Publikum aus Handwerk und Landwirtschaft ist dieser Fall häufiger, als viele Händler erwarten.
Behalten Sie den Umsatz je Land im Blick. Wer neben Bricomarché über Amazon nach Frankreich und über bol.com nach Belgien verkauft, überschreitet die Lieferschwelle mit der Summe aller Kanäle, nicht mit einem einzelnen.
Alle Kanäle in einem Rechnungsprozess
Winkel Factuur wandelt Ihre Bestellungen von bol.com, Amazon, Shopify, WooCommerce und weiteren Kanälen im Stapel in korrekte Rechnungen um — mit dem richtigen Steuersatz je Land. Bis zu 50 Rechnungen pro Monat kostenlos.
Retouren und Rechnungskorrekturen
Auch beim Verkauf nach Frankreich gilt das EU-weite Widerrufsrecht im Fernabsatz, und Baumarktsortimente mit sperriger Ware haben naturgemäß eine spürbare Retourenquote. Jede Rücksendung braucht eine saubere Korrektur in Ihrer Fakturierung.
Das Instrument dafür ist die Stornorechnung oder Gutschrift: ein Dokument, das auf die ursprüngliche Rechnung verweist und Betrag und Steuer gegenläufig ausweist. Französische Kunden kennen es als Avoir. Bei Teilretouren korrigieren Sie nur die zurückgesendeten Positionen.
Achten Sie auf den Steuersatz: Die Gutschrift trägt immer den Satz der Ursprungsrechnung. Eine mit 20 % TVA fakturierte Bestellung wird mit 20 % gutgeschrieben, und die Korrektur fließt in die OSS-Meldung des laufenden Zeitraums ein. Eine Korrektur mit falschem Satz verzerrt die Meldung und fällt spätestens bei einer Prüfung auf.
Bricomarché im Multichannel-Setup fakturieren
Bricomarché wird selten Ihr einziger Kanal sein. Üblich ist die Kombination aus eigenem Shop auf Shopify oder WooCommerce, Amazon, bol.com für die Benelux-Länder und Baumarktkanälen wie Hornbach oder eben Bricomarché für Frankreich. Jeder Kanal liefert Bestellungen im eigenen Format und in unterschiedliche Länder.
Zentral gehören deshalb in ein System: eine fortlaufende Rechnungsnummernserie über alle Kanäle, eine Steuerlogik nach Land und Kundentyp statt nach Kanal, der Umsatz je Land für die Lieferschwelle und ein einziger Buchhaltungsexport, aufgeteilt nach Land und Steuersatz.
Winkel Factuur bindet bol.com, Amazon, Shopify und WooCommerce direkt an und verarbeitet Mirakl-basierte Marktplätze, mit Maxeda bereits im Produktivbetrieb. Bestellungen von Bricomarché verarbeiten Sie per Bestellimport im selben Stapelprozess: Der Import wird je Bestellung dem richtigen Land und Kundentyp zugeordnet, jede Rechnung erhält eine Nummer aus der gemeinsamen Serie, und Retouren werden Gutschriften im selben Lauf.
So bleibt der zusätzliche Kanal administrativ das, was er sein sollte: eine weitere Bestellquelle, kein zweiter Rechnungsprozess.
Fazit
Der Bricomarché Marketplace verbindet eine etablierte französische Baumarktmarke mit dem Sortiment externer Händler und öffnet deutschen Anbietern ein Publikum aus Heimwerkern und Handwerksbetrieben, das über die großen Metropolen hinausreicht.
Die Eckpunkte: Sie sind der Verkäufer und stellen die Rechnung, deutsche Umsatzsteuer unterhalb und französische TVA von 20 % über OSS oberhalb der Lieferschwelle, steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen an Unternehmen mit gültiger TVA-Nummer und Gutschriften mit dem Satz der Ursprungsrechnung.
Setzen Sie die Fakturierung kanal- und länderunabhängig auf, bevor Sie den Kanal öffnen. Dann skaliert die Administration mit, statt zum Engpass zu werden.
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